Institutspartnerschaft mit der Universität Dschang (Kamerun)

Projekt "Transkulturelle Erinnerungstopografien"

Projektbeschreibung

Deutschland und Kamerun sind durch die geteilte koloniale Geschichte bis heute in besonderer Weise miteinander verbunden. Obwohl Kamerun nach dem Ersten Weltkrieg von Frankreich und Großbritannien verwaltet wurde, gerät dort die vorherige dreißigjährige Präsenz Deutschlands nicht in Vergessenheit. In Deutschland wiederum ist die koloniale Geschichte einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Häufig herrschen noch vereinfachende Opfer-Täter-Erzählungen vor, die eine differenzierte Wahrnehmung Afrikas in der Gegenwart erschweren.

Um die wechselseitigen Beeinflussungen zu beleuchten, arbeiten seit zwei Semestern Lehrende der HHU und der Universität Dschang gemeinsam mit ihren Studierenden aus den Fächern Geschichte sowie Medien- und Kulturwissenschaft und Germanistik in einem transdisziplinären und transkulturellen Lehrprojekt zusammen. Im symmetrischen Vergleich der Regionen Rheinland (Deutschland) und Grasland (Kamerun) konnte so im gemeinsamen Forschungsdialog der Gegenstand 'Deutsche Kolonialzeit in Kamerun' anhand ausgewählter (post-)kolonialer Erinnerungsorte komplex hinterfragt und debattiert werden.

 

Beteiligte

Univ.-Prof. Dr. Stefanie Michels
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Institut für Geschichtswissenschaften
stefanie.michels(at)hhu.de

undefinedZur Detailseite

 

 

Univ.-Prof. Dr. Albert Gouaffo
Université de Dschang/Cameroun
Faculté des Lettres et Sciences Humaines
Département de Langues Étrangères Appliquées
B.P. 49 - Dschang/Kamerun
albert_gouaffo(at)yahoo.fr

undefinedZur Detailseite

Dr. Richard Bertin Tsogang Fossi
Université de Dschang/Cameroun
Faculté des Lettres et Sciences Humaines
Département de Langues Étrangères Appliquées
B.P. 49 - Dschang/Kamerun
tsogangfossi(at)yahoo.fr

undefinedZur Detailseite

Dr. Omer Lemerre Tadaha
Université de Dschang/Cameroun
Faculté des Lettres et Sciences Humaines
Département de Langues Étrangères Appliquées
B.P. 49 - Dschang/Kamerun
tadaha(at)yahoo.fr

undefinedZur Detailseite

Prof. Dr. Martin Doll
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Institut für Medien- und Kulturwissenschaft
martin.doll(at)hhu.de

undefinedZur Detailseite

Caroline Authaler, M.A.
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Institut für Geschichtswissenschaften
caroline.authaler(at)phil.uni-duesseldorf.de

undefinedZur Detailseite

In Kooperation mit

Prof. Dr. Alexander Ziem
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Institut für Germanistik
ziem(at)phil.uni-duesseldorf.de
undefinedZur Detailseite

Exkursionen

Vom 28. Juli bis 7. August 2016 fand im Rahmen der Institutspartnerschaft zwischen dem Institut für Geschichtswissenschaften der HHU und dem Institut de langues étrangères appliquées der Universität Dschang eine Exkursion nach Kamerun, speziell nach Dschang und ins Kameruner Grasland (Region Ouest und Nord-Ouest) statt. Gemeinsam mit den Dozierenden und Studierenden aus Dschang führten die Düsseldorfer Studierenden - unter der Leitung von Prof. Dr. Stefanie Michels, Prof. Dr. Martin Doll und Caroline Authaler - vor Ort Passantenbefragungen und Experteninterviews zur Erinnerung an die gemeinsame Geschichte zwischen Deutschland und Kamerun durch.

Die deutschen und kamerunischen Exkursionsteilnehmer.

Stationen der Forschung waren neben Duala und Dschang die ehemalige Viehzuchtstation Djuttitsa, der Königspalast in Fontem sowie Bana. Hier besichtigte die deutsch-kamerunische Forschungsgruppe die Überreste der ehemaligen Basler Mission sowie die Chefferie Bana. Zudem fand ein Treffen mit dem Fo Sikam Happi V. (König von Bana) statt, bei dem Prof. Gouaffo und Prof. Michels Abzüge von historischen Fotografien aus dem Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln sowie Reproduktionen von Aquarellen aus dem Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim überreichten. Die Fotografien und Aquarelle entstanden während einer Forschungsreise des Ehepaares Pauline und Franz Thorbecke im Kameruner Grasland 1911/12 und zeigen den damals amtierenden Fona Hapi I., einen direkten Vorfahren von Sikam Happi V. Über die deutsch-kamerunische Zusammenkunft und das diplomatische Geschenk berichteten auch regionale Medien.

v.r.n.l: Prof. Dr. Stefanie Michels, Prof. Dr. Albert Gouaffo, Chief Sikam Happi V. und ein Würdenträger.

Ihre Eindrücke und Erfahrungen, die die Studierenden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf während der elftägigen Exkursion gemacht haben, wurden in Erfahrungsberichten festgehalten und können undefinedhier nachgelesen werden. Zudem führte das Hochschulradio der Uni Düsseldorf vor der Exkursion ein Interview mit einem der Teilnehmer durch. Moderator Alexander Werth befragte Marvin Wibbeke zu seinen Erwartungen an die Exkursion und den dort geplanten Forschungen zu kolonialen Spuren im Kameruner Grasland. Das Interview finden Sie unter hochschulradio.de/insider-am-mittwoch-27-juli/.

Moderator Alexander Werth (rechts) im Gespräch mit Marvin Wibbeke zur anstehenden Exkursion nach Kamerun.

Lehrforschung

Einen tiefergehenden Einblick in das Kameruner Grasland, seine geografische Verortung, Kultur und Bevölkerung gaben die drei Gastdozenten Prof. Dr. Albert Gouaffo, Dr. Omer Tadaha und Dr. Richard Fossi bereits am 27. April 2016 im Projektseminar "(Post-)Koloniale Erinnerungsorte im Rheinland und im Grasland Kameruns". Die Sitzung wurde mit freundlicher Unterstützung des eLearning der HHU aufgezeichnet und findet sich in der Mediathek unter:

http://mediathek.hhu.de/watch/8eb86ab0-45f5-459d-8ca8-ab38c09b0e9e

Die Vorstellung des Kameruner Graslands im Projektseminar "(Post-)Koloniale Erinnerungsorte".
Dr. Tadaha, Prof. Gouaffo und Dr. Fossi im Gespräch mit den Studierenden.

Workshop "Transkulturelle Erinnerungstopografien: Rheinland/Grasland - Deutschland/Kamerun" (14.09. - 15.09.2017)

Spätestens mit dem neuen Paradigma der Globalgeschichte scheint der „methodologische Nationalismus“, der sowohl die Geschichtswissenschaft als auch die Literaturwissenschaft, sowie viele der sich im 19. Jahrhundert etablierenden geisteswissenschaftlichen Disziplinen lange prägte, überwunden zu sein. Die großen Erzählungen, die die Globalgeschichte versucht, sind dabei aber wiederum in die Kritik geraten – es würden neue Ausschlüsse produziert. Wir versuchen eine andere Möglichkeit der Überwindung des nationalstaatlichen Deutungsrahmens indem wir auf die Ebene der Region gehen und nach Verbindungen zwischen zwei Regionen fragen – in Geschichte und Gegenwart. Die klassische Erzählung der kolonialen Verbindung zwischen Deutschland und Kamerun wird so unterlaufen. Was ist der Mehrwert eines solchen Ansatzes? Werden andere Interaktionsräume und Interessen sichtbar? Gibt es regionale Besonderheiten in der Erinnerungskultur? Wo liegen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den beiden Regionen? Welchen Stellenwert hat die Geschichte in der Gegenwart am jeweiligen Ort?

 

Einen Bericht zum Workshop finden Sie undefinedhier

 

Programm des Workshops:

 

Donnerstag, 14. September

10 Uhr Begrüßung und Einführung: Albert Gouaffo und Stefanie Michels

10.30-12.30 Uhr Regionen und Welten:

  • Jasmin Grande (Universität Düsseldorf): Zur Erforschung von Regionen: Ansätze aus dem Institut "Moderne im Rheinland" 
  • Stefanie Michels (Universität Düsseldorf): „Die Globalgeschichten von Düsseldorf und Dschang im Perspektivwechsel (konzeptionelle Überlegungen)“
  • Albert Gouaffo (Universität Dschang): Thema: „Topographieren, malen, photographieren und erzählen. Das Grasland von Kamerun und seine kulturgeographische Mediatisierung im Rheinland: Ein interkultureller (post)kolonialer Erinnerungstopos“

    Moderation: Caroline Authaler

13.30 - 15.00 Uhr Historische Verbindungen

  • Omer Lemerre Tadaha (Universität Dschang): Franz und Marie Pauline Thorbecke zwischen Fiktion und Realität - Eine geokritische Untersuchung zu Im Hochland von Mittel-kamerun und  Auf der Savanne
  • Caroline Authaler (Universität Düsseldorf): „Tiere im Düsseldorfer Zoo. Düsseldorfer Tierfänger und kamerunische Jäger“
  • Richard Tsogang Fossi (Universität Dschang): „Du bist wie ein Kuechlein in mein Haus gekommen, Weisser...'Intermediale Erinnerung an eine transnationale Männerfreundschaft der deutschen Kolonialzeit in Kamerun“
    Moderation: Martin Doll


16 Uhr Präsentation der Webseite im Foyer über die Videoleinwand


Freitag, 15. September

11 – 13 Uhr Transdisziplinäre Zugänge an transkulturelle Erinnerung

  • Frank Sparing (Universität Düsseldorf): "Hilarius Gilges – ein schwarzer Düsseldorfer als Opfer der Nationalsozialisten"
  • Martin Doll (Universität Düsseldorf): „Five minutes for Zintgraff, five minutes for the chiefs?“ – Über die Ambivalenzen filmisch dokumentierter ‚Oral History‘ am Beispiel der Chefferien im Grasland
  • Alexander Ziem (Universität Düsseldorf) "Erinnerungen an Fragmente deutsch-kamerunischer Geschichte: gesprächsanalytische Annäherungen an Interviewdaten"
    Moderation: Richard Tsogang Fossi


14 – 16 Uhr – Studierendenslot (Leitung: Yagmur Karakis)
Ort: Foyer HdU

Öffentlicher Vortrag 16.30 - 18 Uhr: Britta Schilling (Universität Utrecht) - 'Hermann von Wissmann: Kreuzungspunkt kolonialer Erinnerungsdiskurse'

Moderation: Stefanie Michels

 

Das Projekt läuft von Juli 2015 bis September 2018.

undefinedDie Ergebnisse dieses Projektes werden auf der Ausstellung vom 12. bis 28. September 2017 präsentiert.

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenProf. Dr. Stefanie Michels