Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts

Ausgangspunkt dieses übergreifenden Forschungsansatzes, unter dessen Dach sich diverse konkrete Einzelprojekte versammeln sollen, ist die noch nicht ausreichend gewürdigte Beobachtung, dass sich im Verlauf des 17. Jahrhunderts die Arten und Weisen der Konstruktion soziokultureller Wirklichkeit in entscheidender Weise veränderten. Im Hinblick auf zentrale Kategorien der Wirklichkeitswahrnehmung wie Raum, Mensch oder Zeit etablierten sich in diesem Zeitraum neue diskursive Formationen, durch die Phänomene der Außenwelt mit grundlegend neuen Bedeutungen ausgestattet wurden. Als Stichworte seien in diesem Zusammenhang beispielsweise der Wandel von einer Auffassung der Gegebenheit der Außenwelt zu deren Machbarkeit, der Umschwung von einer Vergangenheitsfixierung zu einer Zukunftsorientierung sowie die Zunahme einer Ökonomisierung genannt.

Die grundlegende Beobachtung der Bedeutung des 17. Jahrhunderts hinsichtlich neuer Auffassungen von Wirklichkeit ist einerseits nicht neu, sondern wird innerhalb der Wissenschaftsgeschichte als „Wissenschaftliche Revolution“, innerhalb der Philosophiegeschichte als Aufstieg von Rationalismus und Empirismus und innerhalb der Literaturwissenschaften beispielsweise unter dem Stichwort der „Querelle des Anciens et des Modernes“ schon länger diskutiert. Andererseits ist sie jedoch mit Blick auf allgemeinere politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zusammenhänge noch weitgehend unterbelichtet. In dem Forschungsansatz einer Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts geht es daher vornehmlich um zwei Aspekte: Zum einen wird eine Synthese angestrebt, welche die Veränderungen in diesen verschiedenen Bereichen unter einem gemeinsamen interpretatorischen Dach zu versammeln sucht, zum anderen sollen statt der bisher im Vordergrund stehenden intellektuellen und gesellschaftlichen Elitenphänomene vor allem Aspekte ins Zentrum gerückt werden, die eine größere soziale Breite berücksichtigen und in einem umfassenderen Sinn kulturhistorische Relevanz aufweisen.

Die empirischen Untersuchungen werden diskursive Verschiebungen in den Mittelpunkt rücken, welche die grundlegenden Wirklichkeitsdimensionen Zeit, Raum und Mensch betreffen.

FP Kulturgeschichte des 17. Jahrhunderts

Das Asienbild im Zedler

Johann Heinrich Zedlers “Grosses Vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste” erschien von 1732 bis 1754 in 68 Bänden (64 reguläre und 4 Supplementbände) in Halle und Leipzig. Es enthält etwa 284.000 Artikel und ist damit die größte europäische Enzyklopädie der Frühen Neuzeit. Das macht es zu einem Spiegel des Wissens und der Vorstellungen seiner Zeit, vor allem in einem mitteleuropäisch-deutschen Kontext. Dennoch existieren zu diesem riesigen Textbestand nur wenig wissenschaftliche Arbeiten, der größte Teil der Artikel ist noch kaum erschlossen. Konzentriert auf den Bereich der Artikel, die sich mit Asien befassen, wollen wir durch eine systematische Erschließung und Verschlagwortung dieser Artikel mit anschließender Präsentation der Ergebnisse im Internet weitergehende Forschung ermöglichen, vor allem unter der Fragestellung, welches Asienbild hier gezeichnet wird. Das bedeutet konkret: Alle Artikel mit Asienbezug auffinden, thematisch erschließen durch Sach-, Namens- und Datenregister sowie Schlagwortkataloge, ein modernes Querverweissystem erstellen, die in den Artikeln verwendeten Quellen identifizieren und deren Verarbeitung in den einzelnen Artikeln klären sowie, wenn möglich, Autoren bzw. Lexikonmitarbeiter identifizieren.

Verantwortlich für den Inhalt: E-Mail sendenProf. Dr. Achim Landwehr