Die numismatischen Sammlungen der Heinrich-Heine-Universität


Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf verfügt über eine der umfangreichsten und vielfältigsten universitären Lehr- und Studiensammlungen antiker Münzen und Medaillons in Deutschland – einschließlich der Nachbildungen und Abdrücke umfassen die Bestände insgesamt etwa 23.000 numismatische Objekte. Die Sammlung ist von hohem wissenschaftlichem Wert. Zudem kann der gesamte Bestand an numismatischen Objekten in der Lehre eingesetzt werden.

2013/2014 wurde mit Unterstützung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen ein Digitales Münzkabinett eingerichtet, mit dem die Bestände erschlossen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mit Unterstützung des eLearning-Förderfonds werden die Funktionalitäten des Kabinetts aktuell um innovative eLearning-Funktionalitäten erweitert, die es Studierenden ermöglichen, sich in der Lehre unmittelbar an der Aufarbeitung der Sammlung zu beteiligen sowie einzelne Objektpräsentationen oder auch ganze online-Ausstellungen zu entwickeln. 

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Der Großteil der Sammlung wird vom Lehrstuhl für Alte Geschichte in einem speziell eingerichteten Tresorraum mit drei Tresoren verwahrt, ein Teil der Sammlung ist in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf in einem weiteren Tresor untergebracht, die Gipsabdrücke befinden sich in einem Spezialschrank in den Räumen des Lehrstuhls für Alte Geschichte. Den Grundstock der numismatischen Bestände bildet eine (laut Inventur vom Herbst 2004) 1.816 Stück umfassende Sammlung, die sich – mit einem Schwerpunkt auf hellenistischen und römischen Städteprägungen und der Münzprägung der römischen Kaiserzeit – über die gesamte griechisch-römische Münzprägung erstreckt. Diese Kernsammlung wurde mit finanzieller Unterstützung diverser Stiftungen und privater Geldgeber unter Prof. Dr. Dietmar Kienast (Lehrstuhlinhaber 1972–1990) aufgebaut, unter maßgeblicher Mitarbeit durch den Akademischen Direktor der Sammlung, Dr. Otfried von Vacano (pensioniert 2004). Die Sammlung enthält auch knapp 200 galvanoplastische Nachbildungen wertvoller Exemplare der griechisch-römischen und vorderasiatischen Münzprägung sowie eine Reihe antiker und neuzeitlicher Fälschungen. Drei weitere wertvolle Sammlungen ergänzen die numismatischen Bestände: Die 4.628 Silber- und Bronzestücke umfassende Sammlung von Dr. Erich Roth (gest. 1978) mit Schwerpunkt auf der römischen Reichsprägung der Zeit von Septimius Severus bis in die Spätantike, ferner eine Dauerleihgabe von 999 Münzen aus dem umfangreichen Schatzfund von Brauweiler sowie schließlich eine weitere Dauerleihgabe von 250 lykischen Silbermünzen der archaischen und klassischen Zeit aus dem Besitz von Ermano Winsemann Falghera. Die Kernsammlung und die Sammlung Roth sind jeweils in Teilen, der Schatzfund von Brauweiler und die Sammlung Winsemann Falghera sind in Gänze publiziert (Ziegler 1983; Ziegler 1988; Vismara 1989; Vacano 1990). Alle Sammlungen wurden und werden ihrem hohen wissenschaftlichen Wert entsprechend in der numismatischen und geschichtswissenschaftlichen Forschung verwendet (vgl. Ziegler 1988; idem 1993). Zu den Düsseldorfer Beständen numismatischer Objekte zählt neben den genannten Sammlungen wertvoller Originalzeugnisse auch die deutschlandweit umfangreichste Universitätssammlung an Gipsabdrücken kleinasiatischer Prägungen (etwa 15.000 Stück).

Literatur

  • Bödefeld, H. & O. von Vacano (1978): Elektronische Datenverarbeitung in der Numismatik. Ein Projekt zur Erfassung griechischer Münzen am althistorischen Institut der Universität Düsseldorf. Chiron 8, 587–604; 
  • Ziegler, R. (1983): Der Schatzfund von Brauweiler. Untersuchungen zur Münzprägung und zum Geldumlauf im gallischen Sonderreich. Bonn: Habelt; 
  • Vacano, O. von (1984): ISEGRIM: Informations-System zur Erfassung GRIechischer Münzen. Bolletino di Numismatica Suppl. 1, 38–45, 75f.
  • Vacano, O. von (1990): Münzsammlung Dr. Erich Roth der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; Bd. 1: Septimius Severus bis Severus Alexander (193 bis 235 n.Chr.). Bochum: Brockmeyer; 
  • Vismara, N. (1989): Monetazione arcaica della Lycia; Bd. 2: La collezione Winsemann Falghera. Mailand: Ennerre; 
  • Wienand, J. (2015): Geschichte prägen. Die numismatischen Sammlungen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und ihre Bedeutung für Forschung und Lehre, in: S. Knöll (Hrsg.): Universitätssammlungen. Bewahren – Forschen – Vermitteln. Düsseldorf: Düsseldorf University Press 2015, S. 85–102;
  • Wienand, J. (2015): Das Digitale Münzkabinett der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, in: Numismatisches Nachrichtenblatt 64/2, 65–66;
  • Ziegler, R. (1988): Münzen Kilikiens aus kleineren deutschen Sammlungen. München: Beck;
  • Ziegler, R. (1993): Kaiser, Heer und städtisches Geld. Untersuchungen zur Münzprägung von Anazarbos und anderer ost-kilikischer Städte. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

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Dr. Johannes Wienand

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