Monatstermine im Haus der Universität


Do, 5.7..2018

Prof. Dr. Christoph Michels

Erinnerung und Emotion in Reden vor der Volksversammlung”

Die Redner vor Gericht und Volksversammlung im klassischen Athen verwendeten
häufig historische Beispiele, um die jeweiligen Zuhörer für sich
einzunehmen. Diese Bezüge gewannen ihre argumentative Kraft insbesondere
auch dadurch, dass mit den einschlägigen Exempla starke Emotionen verbunden
waren. Die Geschichtsbezüge sind dabei keineswegs von akkuratem Wissen
geprägt, sondern wimmeln aus heutiger Perspektive geradezu von Fehlern und
Verzerrungen. Eine Bewertung dieser Bezüge lediglich hinsichtlich ihrer
Richtigkeit im Vergleich mit der historiographischen Darstellung etwa eines
Thukydides wird aber der damaligen kommunikativen Situation, in der ja das
Überreden der Zuhörer fester Bestandteil des politischen Geschäfts war,
nicht gerecht. Vielmehr wird anhand von Fallbeispielen gezeigt, dass sie in
Hinsicht auf die von ihnen angesprochenen Emotionstypen sowohl als
Argumentationsmittel als auch als Ausdruck einer den Redner wie die
Versammlungsteilnehmer prägenden Mentalität zu begreifen sind, deren Wurzeln
in diesem Vortrag nachgespürt wird.

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