Schokolade im Kriegsrelevant im 1. Weltkrieg?

In meiner Masterarbeit analysiere ich, welchen Einfluss das Produkt
„Schokolade“ Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland auf die
Gesellschaft hatte.
Ob das Luxusprodukt zwischen 1914 und 1918 relevant war und ob sich
seine Bedeutung gewandelt hat, kann man an den Reaktionen der Politik
ablesen. Zu Kriegszeiten wurden verschiedene politische Gruppen
gebildet, wie die Kriegs-Kakao-Gesellschaft, die die Einfuhr von Kakao
und die Produktion regulierte. Verschiedene Erlasse und Maßnahmen der
Regierung kontrollierten den Lebensmittelmarkt zusätzlich.
Die Akten des staatlichen Reglementierungsorgans, der
Kriegs-Kakao-Gesellschaft, wurden sowohl im Bundesarchiv Berlin als auch
im „Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz“ gelagert.
Im Landesarchiv Berlin konnte ich viele Schriftstücke von Berliner
Behörden und Einrichtungen, wie die des Ministeriums des Inneren,
einsehen. In diesen Dokumenten gab es diverse Einschätzungen über die
Ernährungssituation während des Ersten Weltkriegs und die Relevanz des
Produkts. Besonders interessant war hier ein Schriftstück, in welchem
die Ernährung wissenschaftlich erklärt und die Lebensmittel
katalogisiert wurden: „Der Mensch braucht für seine Ernährung zwei
hauptsächliche Arten von Nährstoffen, die in den verschiedenen
Nahrungsmitteln in verschiedener Menge erhalten sind. Die eine Art
dieser Nährstoffe erhält unseren Körper, die andere erzeugt seine Wärme
und beschäftigt ihn zur Kraftentwicklung.“
Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz ist ein umfangreiches
Staatsarchiv, das ca. 38.000 laufende Meter Archivalien verwahrt. Der
behördliche Verkehr mit der Kriegsgesellschaft für Kaffee-Ersatz GmbH
und Dokumente des Reichsministers des Inneren werden dort gelagert. Ich
habe Briefe und Erlässe des Reichsministers der Ernährung und
Landwirtschaft gelesen. Zusätzlich konnte ich z. B. Briefe von Max Britz
lesen, welche er an den Reichsernährungs-Minister Berlins schrieb. Er
bezeichnete sich selbst als bekannter Organisator in der
Schokoladenbranche und übte Kritik an den hohen Preisen des Kakaos, die
durch einen hohen Goldzollschlag entstanden. „Die Ernährung des Volkes
zweckmäßig, billig und gut zu gestalten, muß Aufgabe des Staates sein.“
In den dort gelagerten Akten, ist auch die positive Meinung eines
Professors archiviert, der den Kakao als „Universal-Nahrungsmittel“
bezeichnete. Ein Zitat, das die Bedeutung der Schokolade in den Anfängen
des 20. Jahrhunderts verdeutlicht.
Im weiteren Verlauf meiner Masterarbeit werde ich zwei bis drei Firmen,
die im heutigen Regierungsbezirk Düsseldorf ansässig waren, untersuchen.
Wie haben sie auf die Reglementierung des Imports und den resultierenden
Mangel an Rohmaterial reagiert? War es ihnen überhaupt möglich, ihre
Produktion fortzuführen oder stellten sie in dieser Zeit keine
Schokoladenerzeugnisse her? Und haben sie nur an das Heer verkauft oder
gab es auch andere Kunden? Hierfür recherchiere ich nicht nur in den
hiesigen Archiven, im Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland und im
Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv zu Köln, sondern kontaktiere
auch Institute, wie die Stiftung der Deutschen Kakao- und
Schokoladenwirtschaft oder den Verein der am Rohkakaohandel beteiligten
Firmen e.V., welcher seinen Sitz in Hamburg hat.

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