Lehre
Lehrveranstaltungen
Vorlesungen
Univ.-Prof. Dr. Matthias Bähr
Zwischen 1500 und 1800 wurde auf den Britischen Inseln Weltgeschichte geschrieben: England, Schottland und Irland erlebten Bürgerkriege, Revolutionen, Verfassungsexperimente und eine fast beispiellose religiöse Vielfalt. Urbanisierung und Kapitalismus schufen die Voraussetzungen für riesigen Reichtum (und für extreme Armut) und mit dem Aufstieg neuer Wirtschaftsformen wie der Aktiengesellschaft entwickelte sich London zum wohl wichtigsten Handelsplatz der Welt. Zugleich drangen britische Entdecker, Forscher und Eroberer in zahllose zuvor unbekannte Gebiete vor und erweiterten unaufhörlich die Grenzen des Empires. Es wurde zum vielleicht bedeutendsten Kolonialreich der Geschichte. Exotische Waren wie Tabak und Zucker veränderten das Leben der Menschen für immer: Während Britannien immer raffiniertere Konsumformen für sich entdeckte, wurden Hundertausende als Sklavinnen und Sklaven in die Plantagen der Neuen Welt verschleppt. Die Britische Geschichte der Frühen Neuzeit war eine Geschichte voller Gegensätze.
Die Vorlesung spürt der Frage nach, wie sich diese Prozesse interpretieren und verstehen lassen und liefert einen chronologischen Überblick über zentrale Ereignisse.
Was bleibt, wenn ein Leben endet? Die Ringvorlesung widmet sich Vorstellungen, Praktiken und Verfahren, mit denen Menschen Sterben, Tod und Nachleben historisch gedeutet, gestaltet und geordnet haben. Der Blick richtet sich dabei nicht nur auf die Toten, sondern auch auf die Lebenden: auf Formen des Erinnerns, Bestattens, Bewahrens, Sammelns, Untersuchens, Deutens und Erzählens.
Die Vorträge führen in unterschiedliche historische Konstellationen und Quellengattungen ein. Behandelt werden u. a. menschliche Überreste als Handels- und Sammlungsobjekte in der Frühen Neuzeit, Sterbekunst in Mittelalter und Früher Neuzeit, Vampir- und Zombievorstellungen des 18. Jahrhunderts, letzte Worte zwischen Barock und Aufklärung, epikureische und stoische Überlegungen zum Sterben, medizinisch-forensische Wissenspraktiken sowie Grabmäler für drei ermordete Söhne in Neapel.
Die Ringvorlesung bietet Studierenden die Möglichkeit, Einblicke in aktuelle Forschungen aus Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik, antiker Philosophie und Medizingeschichte zu gewinnen. Zugleich zeigt sie, wie unterschiedlich historische Quellen befragt werden können und wie sich aus verschiedenen fachlichen Perspektiven gemeinsame Fragestellungen entwickeln lassen. Vorkenntnisse zu einzelnen Themen werden nicht vorausgesetzt.
Leistungserwerb: Studierende können bei regelmäßiger Teilnahme 1 CP im fächerübergreifenden Wahlpflichtbereich erwerben. Die Prüfungsleistung besteht aus einer Abschlussklausur mit Multiple-Choice-Fragen.
Programm
29. Oktober 2026 – Matthias Bähr (Geschichte)
Schädel, Mumien, Knochensplitter. Abstoßende Märkte in der Frühen Neuzeit (Antrittsvorlesung)
12. November 2026 – Andrea von Hülsen-Esch (Kunstgeschichte)
Alter und Sterbekunst in der Kunst des Mittelalters und der Frühen Neuzeit
26. November 2026 – Tobias Winnerling (Geschichte)
Empire of the Undead? Wie das 18. Jahrhundert Vampire und Zombies erfand
10. Dezember 2026 – Philippe Roepstorff-Robiano (Germanistik)
Hermeneutik des Sterbens. Letzte Worte zwischen Barock und Aufklärung
07. Januar 2027 – Anna Schriefl (Antike Philosophie)
„Im Tod gibt es kein zweites Selbst“: Epikureer und Stoiker über das Sterben
21. Januar 2027 – Heiner Fangerau (Medizingeschichte UKD)
Aktenversendung und forensische Begutachtung. Das Diarium von Michael Alberti (1682–1757)
04. Februar 2027 – Anna Magnago Lampugnani (Kunstgeschichte)
Mütterliche Handlungsmacht im Zeichen der Trauer: Die Grabmäler dreier ermordeter Söhne in der Cappella Sanseverino in Neapel
Aufbauseminare
Lisa Maria Hönes M.A.
Religion presented a system of order in the Early Modern period: It could be - and was - used to explain and legitimise social hierarchies (from hierarchies in everyday society up to the monarchy), natural disasters, political turmoils, personal fortunes or misfortunes and most things in between. As such, religion is a fascinating topic to research especially in times of upheaval and change.
In this seminar, we will work towards an understanding how religion and society interacted, clashed and harmonised in Early Modern England and which factors influenced the positioning and (self-)identification of laity and clergy in different situations.
We will discuss - among many other things - certain cornerstones like the dissolution of marriage between Henry VIII and Katherine of Aragon and the subsequent turn away from Catholicism and towards the construction of the Church of England with all its consequences as well as the then-controversial decision to allow clergy to marry and (officially) father children.
If you are interested in a specific topic, please feel free to write me an e-mail before the first session; I will endeavour to include it in the syllabus.
If you are interested in the seminar but shy about your level of English, please do not worry: I do not expect a perfect grasp on (academic) vocabulary in English, everybody is welcome.
Please be aware that you will lose your spot in the seminar if you don't show up for the first session.
BN: Presentation of one source or one research text as well as active participation throughout the semester
Vertiefungsseminare
Univ.-Prof. Dr. Matthias Bähr
Das Heilige Römische Reich war ein ausgefeiltes politisches System mit einer besonderen politischen Kultur: ohne Hauptstadt, ohne (geschriebene) Verfassung, ohne moderne Institutionen, dafür mit mächtigen Ritualen und Symbolen. Sie zu untersuchen, eröffnet Einblicke in den sozialen „Maschinenraum” vorindustrieller Gesellschaften und relativiert scheinbare Selbstverständlichkeiten moderner Politik- und Herrschaftssysteme. Darum geht es in diesem Vertiefungsseminar.
Die Einführungssitzung findet am 2. November 2026 statt.
Das Seminar findet vom 9–12. März 2027 als Blockveranstaltung im Stadtarchiv Regensburg statt. Wenn es einen Ort gibt, wo sich das Alte Reich verstehen lässt, dann dort. Denn in Regensburg tagte der Reichstag als so genannter Immerwährender Reichstag seit 1663 dauerhaft. Neben der gewohnten Text- und Quellenarbeit besuchen wir historische Schauplätze wie das Reichstagsgebäude im Alten Rathaus oder den Gesandtenfriedhof mit Gräbern von Diplomaten aus ganz Europa.
Das Seminar lässt sich auch als Exkursion anrechnen.
Dr. Jörg Vögele
Die Corona-Pandemie hat die Themen Sterben und Tod sowie die eigene Vergänglichkeit wieder stärker in den gesellschaftlichen Fokus gerückt. Im Seminar soll deshalb die historische Entwicklung von Sterblichkeit und Lebenserwartung rekonstruiert werden. Dazu gehört gehören sowohl die Rolle von Epidemien und Pandemien in der Geschichte als auch der gesellschaftliche Umgang mit Sterben und Tod. Während sie in der Geschichte allgegenwärtig war und öffentlich stattfand, spielen sich die letzten Stunden mittlerweile nicht mehr im Kreis der Familie, sondern in der Regel auf Palliativ- oder Intensivstationen ab. Auch der Umgang mit Bestattung und Trauer haben sich grundlegend geändert. Jeder zweite findet mittlerweile die Friedhofspflicht als überholt.
Im Seminar sollen zentrale Aspekte dieser Entwicklung und ihre Ursachen analysiert werden. Die Themen reichen dabei von der gestiegenen Lebenserwartung in den Industrieländern bis zu den Veränderungen des Krankheits- und Todesursachenpanoramas (von den Infektionskrankheiten zu den Zivilisationskrankheiten). Thematisiert werden die wissenschaftliche Erforschung des Sterbens (Phasen des Sterbens), Todesdefinitionen und der medizinische Umgang (Entwicklung der Palliativmedizin) sowie ethische Aspekte (wie Sterbehilfe und Sterbebegleitung) und Elemente der Trauerkultur.
Erwartet wird die regelmäßige und aktive Teilnahme sowie eine kurze Präsentation.
Projektseminare
Priv.-Doz. Dr. Tobias Winnerling
In der Frühen Neuzeit war Düsseldorf vieles: Hauptstadt eines Territoriums, Hofstadt, Handelsstadt, Kurfürstensitz, Festungsstadt, Garnisonsstadt, regionales Oberzentrum und schließlich preußische Provinzstadt. Was aber ist von dieser Epoche im Stadt- und Straßenbild noch übriggeblieben? Und wie lassen sich diese Überreste für eine breitere Öffentlichkeit erschließen und digital verfügbar machen? Im Seminar werden wir dazu auf der Grundlage von Actionbound digitale Stadtrundgänge konzipieren und erstellen, die an der Schnittstelle zwischen digitaler Geschichtsaufbereitung und öffentlicher Geschichtsvermittlung liegen. Und natürlich werden wir uns auch vor Ort umsehen, um selbst erst einmal einen Eindruck davon zu bekommen, welche Spuren die frühneuzeitliche Stadt in der heutigen hinterlassen hat.
Übungen
Laura Seithümmer M.A.
Im Rahmen der Exkursion inklusive Übung werden wir uns zunächst mit den historischen Grundlagen von jüdischem Leben in den deutschsprachigen Territorien von der Frühen Neuzeit bis heute beschäftigen. Die drei Tagesexkursionen gehen nach Frankfurt zur berühmten Judengasse, sowie zu verschiedenen Orten in Düsseldorf selbst, u.a. der Düsseldorfer Synagoge. Die Termine werden in der ersten Sitzung besprochen.
Anforderungen im Seminar
Die Anwesenheit bei der ersten Sitzung ist Voraussetzung für die Teilnahme. Sollte dies aus gesundheitlichen oder ähnlichen Gründen nicht möglich sein, ist dies vor der ersten Sitzung per Email mitzuteilen.
Wichtig! Bei der Platzvergabe werden Masterstudierende, die das Modul verpflichtend belegen müssen, bevorzugt.
Für einen Beteiligungsnachweis sowie als Voraussetzung für die Anmeldung einer Abschlussprüfung in Form einer Seminararbeit sind folgende Punkte zu erfüllen:
regelmäßige Teilnahme
Vorbereitung der Texte
Vorbereitung und Präsentation eines Plakates, inklusive eines 5 – 7-seitigen Aufsatzes über die Gestaltung und die Hintergründe (Themen und Art und Weise werden im Seminar besprochen)
Die Details werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Priv.-Doz. Dr. Tobias Winnerling
Was unterscheidet Geschichte an der Universität eigentlich von Geschichte in der Schule? Welche (neuen) Anforderungen stellt das Studium an Sie, und was bieten Ihnen die HHU und das Institut für Geschichtswissenschaften?
Im Mentorat vermitteln wir Ihnen einen ersten Einblick ins Studium, ins wissenschaftliche Arbeiten und das Fach Geschichte an der HHU - alles, was Sie für einen erfolgreichen Start brauchen.
Univ.-Prof. Dr. Matthias Bähr
Was wir über das Leben von Menschen vor dem Industriezeitalter wissen, stammt fast immer aus handschriftlichen Quellen. Historisches Arbeiten bedeutet daher häufig, alte Schriften zu entziffern. Wie das funktioniert, ist Gegenstand dieser Übung. Sie vermittelt erste Grundlagen der Paläographie der Frühen Neuzeit. Wir erarbeiten uns gemeinsam deutschsprachige Handschriften des 16.–18. Jahrhunderts aus Archiven und Bibliotheken, werfen einen Blick in spätere Epochen sowie die fremdsprachige Überlieferung und befassen uns mit den Chancen und Grenzen KI-gestützter Texterkennung. Erwartet wird die Bereitschaft zur regelmäßigen Anfertigung kleinerer Übungsaufgaben.
Alexander Schamberg M.A.
Wie funktioniert wissenschaftliches Schreiben? Wo finde ich Literatur und Quellen und wie gehe ich mit ihnen um? Worauf muss ich im Prozess achten? Antworten auf diese Fragen zu finden ist das Ziel unseres Seminars. Neben wissenschaftlichem Schreiben und Literaturrecherche als Grundpfeiler einer jeden Arbeit, werden wir uns auch mit Lese- und Lernstrategien, verschiedenen Formen von wissenschaftlichen Arbeiten und Zeitmanagement beschäftigen. Dadurch sollen und werden Sie für sich einen ganz individuellen Plan für ihre Arbeitsweise entwickeln und diesen durch praxisnahe Übungen im Seminar anwenden.
Priv.-Doz. Dr. Sebastian Hansen
Beginn: 23.10.2025
1789 treffen wir im Rheinland auf begeisterte Anhänger der Französischen Revolution. Sie verfolgen aufmerksam das Geschehen in Paris und wünschen sich auch in Deutschland Veränderungen. Der 1792 einsetzende Krieg führt schließlich dazu, dass die linksrheinischen Gebiete ab 1794 zwei Jahrzehnte lang zu Frankreich gehören und in dieser Zeit eine völlige Neuordnung erleben. Angesichts der massiven politischen, gesellschaftlichen, kirchlichen und rechtlichen Veränderungen wird diese Zeit auch als großer Modernisierungsschub betrachtet. Im Seminar werden wir uns anhand ausgewählter Quellen und Literatur näher mit dieser facettenreichen Entwicklung befassen.
Kolloquien
Die Vorträge finden statt:
29.10.2025
11.11.2025
13.01.2026
27.01.2026
03.02.2026, abweichend im Haus der Universität, Schadowplatz 14, Besprechungsraum 2, 2. OG, Beginn 18.15 Uhr
Das Kolloquium ist für Doktoranden sowie fortgeschrittene Masterstudierende offen.
Es dient der Präsentation und Diskussion von in Arbeit befindlichen Doktor-/Abschlussarbeiten und aktueller Forschungskontroversen. Teilnahme nach persönlicher Anmeldung.
Univ.-Prof. Dr. Matthias Bähr
Im Kolloquium / Masterforum werden aktuelle Forschungsprobleme und -kontroversen der Frühneuzeitgeschichte mit auswärtigen Gästen diskutiert, die Einblick in ihre laufenden Projekte geben. Masterstudierende haben darüber hinaus die Gelegenheit, eigene Abschlussarbeiten vorzustellen. Die Teilnahme ist für MasterkandidatInnen im Bereich der Geschichte der Frühen Neuzeit verpflichtend. Das Masterforum findet nach einer ersten konstituierenden Sitzung (Di, 13.10.2026, von 16:30-18 Uhr) als Block an zwei Terminen (Fr, 04.12.2026/11.12.2026) jeweils von 10:30-16:30 Uhr im Haus der Universität statt.