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Lehre

Lehrveranstaltungen

SoSe 21

Vorlesungen

Prof. Dr. Achim Landwehr; Prof. Dr. Christoph Nonn

Mi. 16:30-18:00 Uhr

Die für Studienanfänger konzipierte Vorlesung bietet in Verbindung mit dem Basisseminar eine Einführung in zentrale Problembereiche der neuzeitlichen Geschichte Europas, bei gleicher Gewichtung kultureller, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Aspekte. Dazu gehören u.a. die Europäisierung der Welt; das Wachstum der Staatsgewalt; Konfessionalisierung; Aufklärung; politische, wirtschaftliche und soziale Revolutionen; Nationen und Nationalismus und die zentralen Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts. In der letzten Vorlesungswoche wird dazu eine Abschlussprüfung in Form einer Klausur als Modulabschlussprüfung zu Vorlesung und Basisseminar und der ebenfalls zu besuchenden Vorlesung "Einführung in die Geschichte Russlands und der Sowjetunion" angeboten.

Weitere Informationen, Formalia und Anforderungen entnehmen Sie bitte dem HISLSF.

Aufbauseminare

Tim Nyenhuis, M.A.

Di. 12:30-16:00 Uhr

Ein Begriff und eine Personengruppe, die aus der (militär-)geschichtswissenschaftlichen Forschung und der militärischen, zeitgenössischen Wirklichkeit nicht wegzudenken ist. Ohne sie lief auf den Schlachtfeldern der Frühen Neuzeit nichts: In jedem denkbaren und nicht denkbaren Konflikt zwischen 1450 und 1800 waren sie in unterschiedlicher Ausprägung vertreten, prägten sogar manche Konflikte so stark, dass ihr schlechter Ruf und ein anrüchiger Nimbus ihnen bis heute anhaften. Obwohl sie ein so elementarer Teil der zeitgenössischen Kriegsführung waren, ist über die Männer und Frauen (!), die berufsmäßig und meist freiwillig zur Waffe griffen, kaum etwas bekannt. Hunderttausende von Stimmen blieben stumm, schrieben ihr Leben nicht nieder oder wurden einfach vergessen. Das, was bekannt ist, konfrontiert uns mit vielen Fragen und Eigenartigkeiten, die im Seminar besprochen und diskutiert werden sollen. Der Fokus wird hierbei nicht auf militärischen Taktiken oder Ausrüstung liegen, sondern das Thema Söldner und Krieg soll in diesem Kurs sozialhistorisch und gesellschaftlich beleuchtet und untersucht werden: Wer waren diese Menschen? Wie lebten sie? Welche Kultur entwickelte sich innerhalb der Militärgesellschaften und wie wurde diese in zivilen Kreisen rezipiert? Welche Geschlechterbilder entstanden? Und vor allem: Warum zieht man in den Krieg?

Im Seminar werden den Studierenden zunächst Grundtechniken der Quellenarbeit, Militär- und Selbstzeugnisforschung an konkreten Beispielen erläutert. Der Hauptteil des Seminars besteht dann in der gemeinsamen Betrachtung und Analyse von verschiedenen Quellen und Themenkomplexen. Dazu werden teils edierte, teils originale Text- und Bildquellen unter die Lupe genommen und auf konkrete Fragestellungen hin untersucht. Im Seminar wird dabei viel Wert auf genaue wissenschaftliche, praktische und gemeinsame Arbeit gelegt. Die Studierenden sollen möglichst früh an Quellenmaterial zunächst vorgegebene und später auch eigene Forschunsgfragen anlegen und in Gruppen gemeinsam lösen. Am Ende des Kurses steht dann die Studienarbeit als eigenes Forschungsprojekt.

Die zum Aufbauseminar obligatorisch dazugehörenden Referate werden entweder am Anfang der Sitzungen gehalten oder an einem Termin kurz vor Abgabe der Hausarbeiten im Sinne einer Projektvorstellung. Die Verfahrensweise wird in der ersten Sitzung im Plenum abgestimmt. Das Referat und die als AP ablegbare Studienarbeit (Umfang ca. 15 Seiten) werden benotet und bilden die Gesamtnote.

Nach der ersten Sitzung werden die Studierenden in Arbeitsgruppen aufgeteilt. In diesen werden nicht nur die Arbeitsaufträge für die Online-Sitzungen zusammen erarbeitet, sie sollen auch dem Austausch und der Vernetzung der Studierenden dienen. Innerhalb der Sitzungen werden ebenfalls häufig Gruppenarbeiten (in zufälliger Zusammensetzung) stattfinden. Dabei werden Quellenauszüge analysiert und diskutiert und/oder konkrete Fragestellungen erarbeitet und gemeinsam beantwortet.

Weitere Informationen, Formalia und Anforderungen entnehmen Sie bitte dem HISLSF.

Dr. Sebastian Hansen

Do. 16:30-18:00 Uhr

Warum schreiben Menschen Tagebücher? Was schreiben Menschen in ihre Tagebücher? Wie nehmen sie dabei sich selbst und ihre Umwelt wahr? Welchen Quellenwert haben Tagebücher? Welche Probleme und Herausforderungen stellen sich im Umgang mit solchen Quellen? Und: Was sind eigentlich Tagebücher? Diese Fragen sind zentral, wenn wir uns mit Selbstzeugnissen dieser Art befasst. Im Seminar sollen sie aufgegriffen, diskutiert und beantwortet werden. Wir werden dabei theoretische Überlegungen anstellen, uns aber auch konkret mit unterschiedlichen Tagebüchern vom späten 15. Jahrhundert bis etwa 1800 beschäftigen. Im Mittelpunkt wird die Selbst- und die Weltwahrnehmung der verschiedenen Verfasserinnen und Verfasser stehen.

Weitere Informationen, Formalia und Anforderungen entnehmen Sie bitte dem HISLSF.

Vertiefungsseminare

Dr. Sebastian Hansen

Do. 10:30-12:00 Uhr

Die Frage, was Europa ist und sein könnte bzw. sein soll, erscheint aufgrund gegenwärtiger Entwicklungen aktueller denn je. Angesichts der gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Herausforderungen der Gegenwart wird das Konzept „Europa” gleich auf mehreren Ebenen auf die Probe gestellt. Die Frage, was Europa ausmacht, ist dabei zugleich auf eine historische Rückschau wie eine prospektive Studie angewiesen. So lässt sich gleichermaßen nach einer gemeinsamen kulturellen Identität wie nach möglichen Projektionen einer europäischen Wertegemeinschaft fragen. Das Verständnis von Europa sowie den damit verbundenen Konzepten und Visionen hat sich im Laufe der Jahrhunderte stets gewandelt. Nicht nur das geographische Verständnis Europas im Zeitalter der Renaissance ist ein anderes als in der Gegenwart, sondern auch die Zukunftsentwürfe für ein vermeintlich „besseres” Europa unterlagen und unterliegen einem ständigen Wandel.

Im Laufe des Semesters sollen unterschiedliche Europakonzepte von der Renaissance bis zur Gegenwart zur Sprache kommen. Das Seminar verfolgt dabei einen interdisziplinären Ansatz, der sowohl aus historischer als auch philosophischer Perspektive Vorstellungen von und Visionen für Europa einer kritischen Analyse unterziehen möchte. Klassiker der Renaissance- und Aufklärungsphilosophie (Montaigne, Montesquieu) werden dabei ebenso berücksichtigt, wie die Einigungsbewegung der „Paneuropa-Union” in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen als auch die Bedeutung des Falls des Eisernen Vorhanges für die Europäischen Union. Des Weiteren werden die Europavisionen von Klassikern der Geistesgeschichte von der Romantik (Novalis) bis zum 19./20. Jahrhundert (Nietzsche, Camus) zu Wort kommen.

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Dr. Tobias Winnerling

Do. 14:30-16:00 Uhr

Mit der europäischen Expansion der Frühen Neuzeit war auch die Wiederaufnahme aktiver Missionsbestrebungen seitens der christlichen Kirchen Europas verbunden. Zunächst wurde vor allem die römisch-katholische Kirche missionarisch aktiv, aber ab dem 17. Jahrhundert zunehmend auch verschiedene protestantische Kirchen. Mit der Ausweitung der Reichweite Europas über nahezu den gesamten Globus gerieten verschiedenste Völker und Kulturen in den Fokus der Mission, teilweise als Begleitinstrument kolonialer Beherrschung, teilweise als Versuch einer friedlichen Überzeugungsarbeit. Wie aber lässt sich analytisch fassen, was in den konkreten Kontakt- und Vermittlungssituationen geschah? Handelte es sich um spirituellen Kolonialismus, um Austausch- und Hybridisierungsprozesse, oder um das Scheitern jeglicher Bemühungen? Im Seminar sollen die Missionsprozesse des 16. – 18. Jahrhunderts einer transkulturell motivierten Analyse unterzogen werden, um so zu einem besseren Verständnis der jeweiligen Dynamiken zu gelangen.

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Masterseminare

Dr. Tobias Winnerling

Do. 14:30-16:00 Uhr

Digitale Spiele sind nicht nur ein kulturelles Massenphänomen an sich, sie stehen auch in weiteren medialen Zusammenhängen. Die Verbreitung von Spiel-Videos über Plattformen wie YouTube ist selbst längt ein funktionierendes Geschäftsmodell, aber auch ein vielgenutztes Ausdrucksmittel individueller Spieler:innen. Was bedeutet es aber, wenn diese Medienformate und Kommunikationskanäle sich mit Spielen befassen, die Geschichte inszenieren? Noch konkreter, wenn die Geschichte der Frühen Neuzeit darüber thematisiert wird? Und wie können sich Historiker:innen dazu nicht nur wissenschaftlich verhalten, sondern ihre Ergebnisse auch über diese Kanäle kommunizieren? Das Projektseminar wird sich diesen Fragen ganz praktisch stellen. Eigene Erfahrung in der Medienproduktion sind nicht nötig, die Bereitschaft, solche Erfahrungen zu sammeln, allerdings schon.

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Übungen

Dr. Michael Kuhlmann

Fr. 14:30-16:00 Uhr

Der legendäre NDR-Intendant Ernst Schnabel nannte es das „Kino zwischen den Ohren", andere haben immer wieder vom „sinnlichen Medium" gesprochen: Sie meinten das Radio - mit seiner Möglichkeit, die Phantasie des Hörers anzuregen, vor dem geistigen Auge eindrucksvollere Bilder entstehen zu lassen, als sie Fernsehen und Kino je erzeugen könnten.

Und so kann das Radio mit seinen unterschiedlichen Beitragsformen und Stilmitteln sehr gut historische Fragestellungen aufbereiten. Die Skala möglicher Macharten reicht vom konventionellen „gebauten Beitrag" über Experteninterview und Essay, Streitgespräch und Originalton-Collage bis hin zum anspruchsvollen Hörbild - dem „Feature", das seine Hörer im Idealfall mitnimmt auf eine Zeitreise in vergangene Epochen.

In dieser Übung soll eine zentrale Möglichkeit, Geschichtsthemen ins Radio zu bringen - der gebaute Beitrag nämlich -, praktisch umgesetzt werden; im Interesse eines Einblicks ins Berufsfeld Radio. Das fürs Herstellen von Geschichtsbeiträgen erforderliche Handwerkszeug lässt sich auf die Erstellung von Beiträgen anderen Inhalts übertragen.

Also: Wie finde und definiere ich mein Thema? Wie bereite ich es inhaltlich vor? Wie kann ich historische Originaltöne einsetzen? Welche Zeitzeugen kann ich (noch) befragen, welche Wissenschaftler - und wie befrage ich sie? Wie funktioniert die Ton- und Studiotechnik? Wie gestalte ich einen Beitrag, eine Moderation? Und nicht zuletzt - in Abgrenzung zur Akademikersprache: Wie schreibe ich fürs Hören?

Praktisch geht es in der Übung u.a. darum, selbst einen historischen Beitrag herzustellen. Dabei soll so weit wie möglich die "freie Wildbahn" des Berufes simuliert werden. Da sich zu Covid-19-Zeiten beim (realen) Radio gleichfalls viel Arbeit in die heimischen vier Wände verlagert hat, werden wir die Praxisnähe auch mit einem begrenzten Anteil an Präsenz-Sitzungen simulieren können.

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Dr. Joëlle Weis

Mo. 14:30-16:00 Uhr

Den frühneuzeitlichen Hof zu definieren ist ein komplexes Unterfangen. Je nach Blickpunkt und Zusammenhang reden wir von einem bestimmten Ort, einer politischen Institution oder einer Person. Um den Begriff des Hofs operationalisierbar zu machen, bedient sich die Forschung oft der Perspektive des Beziehungsgeflechts. Die Institution Hof ist nach dieser Vorstellung das Ergebnis unzähliger zwischenmenschlicher Relationen. Ein Vorteil dieser Herangehensweise ist die Sichtbarmachung von diversen Akteur:innen und Beziehungsarten. So rückten in den letzten Jahren verstärkt weibliche Verwandschaftsnetzwerke in den Fokus der Forschung, was ermöglichte, die politische Handlungsmacht von Frauen neu zu konturieren.

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Christoph Heinrich, M.A.

Mo. 16:30-18:00 Uhr

Wie können historische Themen so vermittelt werden, dass sie auch eine breite Öffentlichkeit erreicht und verständlich ist? Ist es überhaupt möglich, dass komplexe wissenschaftliche Inhalte kurz und unterhaltsam präsentiert werden?

Dieses Seminar untersucht die Möglichkeiten und Perspektiven akademischer Geschichtswissenschaft seine Arbeitsergebnisse auch außerhalb eines universitären Umfeld zu präsentieren. Hierfür werden in Kleingruppen unterschiedliche Formate entwickelt, wie historische Ereignisse so dargestellt werden, dass sie trotz kurzer und beschränkter Möglichkeit ihre wissenschaftliche Relevanz nicht verlieren. Dies kann in Form von audiovisuellen Formaten, aber auch kreativen Schrifterzeugnissen geschehen. Nach Erstellung der Inhalte wird der Kurs gemeinsam die Stärken und Schwächen dieser Formate untersuchen.

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Kolloquien

Univ.-Prof. Achim Landwehr


Veranstaltungsarchiv

Lehrveranstaltungen vergangener Semester

Vorlesungen

Dr. Tobias Winnerling; Prof. Dr. Christoph Nonn; Prof. Dr. Guido Thiemeyer

Dr. Sebastian Hansen

Mi. 14:30-16:00 Uhr

Die Aufklärung begann in Europa nicht erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Doch seit dieser Zeit traten die unterschiedlichen Versuche, sie in die Praxis umzusetzen, also aufgeklärt zu leben und eine aufgeklärte Gesellschaft herbeizuführen, immer deutlicher und (breiten)wirksamer hervor. Die Vorlesung nimmt entsprechend die eng mit der Aufklärung verbundenen gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Veränderungen in den Blick, die sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Europa vollzogen. Einen von mehreren Ausgangspunkten der Betrachtung bildet das Erdbeben von Lissabon im Jahr 1755, das europaweit Aufmerksamkeit erhielt und nicht nur in der zerstörten portugiesischen Handels- und Residenzstadt massive Neuerungen nach sich zog. Zu den Schlusspunkten gehört unter anderem der Staatsstreich Napoleons 1799.

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Aufbauseminare

Tim Nyenhuis, M.A.

Mo. 16:30-18:00 Uhr

"Großginstiger Lesser [...]" mit diesen Worten eröffnete der Kannengießer Augustin Güntzer im 17. Jahrhundert sein Tagebuch und führt uns in den darauffolgenden Zeilen über mehrere Jahrzehnte durch sein - bescheiden ausgedrückt - von vielen Problemen gespicktes Leben. Es sind Selbstzeugnisse wie dieses, die uns nicht immer unverblümt direkte Einblicke in das Leben und den Alltag von Zeitgenossen der Frühen Neuzeit geben. Ihre Erlebnisse, Reisen, ihre Meilensteine und schweren Rückschläge vertrauten die AutorInnen ihren losegebundenen Notizbüchern an und schrieben diese später in Tagebücher und Chroniken um. Dabei geben sie uns Historikern mit diesen Quellen wichtige Anhaltspunkte, um nicht nur deren Alltag, sondern auch zeitgenössische Ereignisse besser zu verstehen.

Im Seminar werden den Studierenden zunächst Grundtechniken der Quellenarbeit und Selbstzeugnisforschung erläutert. Der Hauptteil des Seminars besteht dann in der gemeinsamen Betrachtung und Analyse von verschiedenen Selbstzeugnissen, deren AutorInnen aus unterschiedlichen Jahrhunderten, Regionen, Altersklassen und Ständen stammten. Dazu werden digital und wenn möglich auch in Präsenz teils edierte, teils originale Text- und Bildquellen unter die Lupe genommen.

Nach der ersten Sitzung werden die Studierenden in Arbeitsgruppen aufgeteilt. In diesen werden nicht nur die Arbeitsaufträge für die Online-Sitzungen zusammen erarbeitet, sie sollen auch dem Austausch und der Vernetzung der Studierenden dienen.

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Kristina Hartfiel, M.A.

Mo. 16:30-18:00 Uhr

„Flüchtlingskrise fühlt sich an wie Reichstagsbrand, auch wenn ich das nicht vergleichen kann“, singt die Kölner Band Annenmaykantereit auf ihrem Album „Schlagschatten“ und spielt dabei auf die Instrumentalisierung der genannten Ereignisse zu Propagandazwecken an. Egal ob der politische Gegner oder die andere Religion und Herkunft, ‚das Andere‘ wird als Alterität zur eigenen Ideen- und Machtsicherung diffamiert. Generell haben die meisten Vorurteile dabei eine lange Tradition und sind schwer veränderbar. So finden wir stereotype, klischeehafte Zuschreibungen bereits in zahlreichen textlichen und bildlichen Quellen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit und - versehen mit einer wertenden Komponente - stehen sie in Zusammenhang mit xenophoben Äußerungen, der Herabwürdigung Andersgläubiger oder der Formung spezifischer Geschlechterrollen. Ich möchte mit Ihnen analysieren, wie  (frühneuzeitliche) Zeitgenossen im christlich geprägten Europa beispielsweise andersgläubige Religionsgemeinschaften oder fremde ethnische Gruppen wahrgenommen haben und wahrnehmen. Anhand einer intensiven Quellenlektüre soll der wirkmächtigen Konstruktion von ReligionNation oder auch Geschlecht nachgegangen werden. Welche Kontinuitäten und Brüche gibt es dabei zwischen gestern und heute? Wie haben sie unser Denken beeinflusst und welche Auswege gibt es aus diesem historisch bedingten Dilemma?

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Vertiefungsseminare

Masterseminare

Übungen

Dr. Michael Kuhlmann

Fr. 14:30-16:00 Uhr

Der legendäre NDR-Intendant Ernst Schnabel nannte es das „Kino zwischen den Ohren", andere haben immer wieder vom „sinnlichen Medium" gesprochen: Sie meinten das Radio - mit seiner Möglichkeit, die Phantasie des Hörers anzuregen, vor dem geistigen Auge eindrucksvollere Bilder entstehen zu lassen, als sie Fernsehen und Kino je erzeugen könnten.

Und so kann das Radio mit seinen unterschiedlichen Beitragsformen und Stilmitteln sehr gut historische Fragestellungen aufbereiten. Die Skala möglicher Macharten reicht vom konventionellen „gebauten Beitrag" über Experteninterview und Essay, Streitgespräch und Originalton-Collage bis hin zum anspruchsvollen Hörbild - dem „Feature", das seine Hörer im Idealfall mitnimmt auf eine Zeitreise in vergangene Epochen.

In dieser Übung soll eine zentrale Möglichkeit, Geschichtsthemen ins Radio zu bringen - der gebaute Beitrag nämlich -, praktisch umgesetzt werden; im Interesse eines Einblicks ins Berufsfeld Radio. Das fürs Herstellen von Geschichtsbeiträgen erforderliche Handwerkszeug lässt sich auf die Erstellung von Beiträgen anderen Inhalts übertragen.

Also: Wie finde und definiere ich mein Thema? Wie bereite ich es inhaltlich vor? Wie kann ich historische Originaltöne einsetzen? Welche Zeitzeugen kann ich (noch) befragen, welche Wissenschaftler - und wie befrage ich sie? Wie funktioniert die Ton- und Studiotechnik? Wie gestalte ich einen Beitrag, eine Moderation? Und nicht zuletzt - in Abgrenzung zur Akademikersprache: Wie schreibe ich fürs Hören?

Praktisch geht es in der Übung u.a. darum, selbst einen historischen Beitrag herzustellen. Dabei soll so weit wie möglich die "freie Wildbahn" des Berufes simuliert werden. Da sich zu Covid-19-Zeiten beim (realen) Radio gleichfalls viel Arbeit in die heimischen vier Wände verlagert hat, werden wir die Praxisnähe auch mit einem begrenzten Anteil an Präsenz-Sitzungen simulieren können.

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Philipp Molderings, M.A.

Do. 08:30-10:00 Uhr

Hegten progressive Museologen zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch die Hoffnung, dass zentrierte und homogene Identitätskonstrukte im Museum bald endgültig der Vergangenheit angehören würden und an ihre Stelle eine transkulturelle und transnationale Erinnerungskultur treten würde, die das Fließende kultureller Grenzen und Identitäten herausstellen würde, scheint der geschichtspolitische Entwicklungstrend der letzten Jahre in der Museumswelt in eine andere Richtung zu zeigen: Auf der einen Seite lässt sich die spukhafte Wiederkehr einer nationalpropagandistischen Geschichtspolitik in autoritär geführten Staaten wie Russland, der Türkei, Polen und Ungarn diagnostizieren, die auch vor den Museen nicht halt macht. Andererseits manifestiert sich in vielen westlichen Staaten mehr und mehr Kritik an nationalen Meistererzählungen im Museum und die Tendenz zur Aufteilung der Nationalgeschichte in Partikularnarrative und -museen, die der Darstellung und Affirmation spezifischer Gruppenidentitäten dienen sollen. Parallel zu diesen Entwicklungen ist hinsichtlich der gesellschaftlichen Rezeption in den letzten Jahren eine Zunahme von Kontroversen um Museumsprojekte und die institutionellen Strategien des Umgangs mit dem Erscheinen neuer geschichtspolitischer Akteure in der Öffentlichkeit festzustellen. Am Beispiel konkreter Fälle wie dem Humboldt Forum in Berlin, dem Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig und dem National Museum of African American History and Culture in Washington soll in dieser Übung untersucht werden, wie mit Museen Geschichtspolitik betrieben wird, auf welche Weise Museen selbst geschichtspolitisch agieren und welche politischen Player Einfluß auf die Ausrichtung dieser Institutionen nehmen.

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Dr. Joelle Weiß

Tag und Uhrzeit werden noch bekanntgegeben

Sammeln war in der frühen Neuzeit eine weitverbreitete Tätigkeit in adeligen und bürgerlichen Gesellschaftsschichten. Münzen, Kunst, aber auch allerlei Raritäten und Kuriositäten wurden von denen, die es sich leisten konnten, zusammengetragen und teils mit großem Prunk zur Schau gestellt. Besonders beliebt und weit verbreitet waren das Sammeln von Büchern und der damit einhergehende Aufbau oft beeindruckender Privatbibliotheken, die das Hauptaugenmerk des Seminars sind. Wir wollen uns zunächst an einigen Beispielen ansehen, wie solche Sammlungen entstanden und sich entwickelten: Wie funktionierte der Erwerb von Büchern? Wie wurden die Sammlungen verwaltet und was passierte mit den Büchern nach dem Tod der Besitzer*innen? Die Spuren der Bücher lassen sich häufig bis heute in öffentlichen Bibliotheken nachverfolgen, sodass es in vielen Fällen möglich ist, Sammlungszusammenhänge zu rekonstruieren. Auf dieser Basis sollen deshalb in einem zweiten Schritt Inhalte und Funktionen der Privatbibliotheken beleuchtet werden: Gibt es Sammlungsschwerpunkte? Dienten die Sammlungen der Repräsentation und/oder dem Wissenserwerb? In einem dritten Teil sollen insbesondere sammelnde Frauen in den Fokus rücken. Sind sie eine Ausnahmeerscheinung? Wie nutzten sie ihre Bibliotheken? Lassen sich spezifisch „weibliche“ oder „männliche“ Sammlungspraktiken erkennen?

Durch die enge Verbindung zu den Aktivitäten des Forschungsverbundes Marbach Weimar Wolfenbüttel wird den Studierenden ein aktueller Einblick in den Bereich der Sammlungsforschung jenseits universitärer Strukturen ermöglicht.

Weitere Informationen, Formalia und Anforderungen entnehmen Sie bitte dem HISLSF.

Kolloquien

Univ.-Prof. Achim Landwehr

27.11.2021 und 15.01.2021
Fr. 10:00-16:00 Uhr

Verantwortlichkeit: