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Lehre

Lehrveranstaltungen

Vorlesungen

Univ.-Prof. Dr. Matthias Bähr, Univ.-Prof. Dr. Christoph Nonn

Beginn: 15.04.2026

Die für Studienanfänger konzipierte Vorlesung bietet in Verbindung mit dem Grundkurs eine Einführung in zentrale Problembereiche der neuzeitlichen Geschichte Europas, bei gleicher Gewichtung kultureller, wirtschaftlicher, sozialer und politischer Aspekte. Dazu gehören u.a. die Europäisierung der Welt; das Wachstum der Staatsgewalt; Konfessionalisierung; Aufklärung; politische, wirtschaftliche und soziale Revolutionen; Nationen und Nationalismus und die zentralen Ideologien des 19. und 20. Jahrhunderts. Nach Semesterende werden dazu Abschlussprüfungen in Form einer Klausur als Modulprüfung zu Vorlesung, Grundkurs und die Einführung in die Geschichte Osteuropas angeboten.

Priv.-Doz. Dr. Teresa Schröder-Stapper

Die Geschichte des Wissens zählt zu den produktivsten Forschungsfeldern der Frühneuzeitforschung. Während ältere Wissenschaftsgeschichte vor allem gelehrte Eliten und die Entstehung moderner Naturwissenschaften untersuchte, richtet die neuere Wissensgeschichte den Blick auf Akteure, Praktiken, Medien und Funktionen von Wissen sowie auf dessen kulturelle Situiertheit und historische Wandelbarkeit.

Die Vorlesung nimmt Europa zwischen 1500 und 1800 als Ausgangspunkt, versteht Wissensproduktion jedoch als Prozess, der in vielfältige globale Kontakte eingebunden war. Mission, Handel, Migration und europäische Expansion eröffneten neue Erfahrungsräume und konfrontierten bestehende Ordnungssysteme mit bislang unbekannten Naturen, Kulturen und Wissensbeständen. Thematisiert werden Orte der Wissensproduktion – von Universitäten und Höfen über Werkstätten und Sammlungen bis zu kolonialen Kontexten –, Formen der Zirkulation in Texten, Objekten und Bildern sowie die enge Verflechtung von Wissen, Raum und Macht. Ziel ist es, spezifische frühneuzeitliche Wissenskulturen zu identifizieren, die zwischen tradierten Autoritäten und neuen Horizonten oszillierten.

Aufbauseminare

Priv.-Doz. Dr. Teresa Schröder-Stapper

Das Seminar nimmt Ehe, Familie und Haus als zentrale Organisationsformen frühneuzeitlicher Gesellschaft in den Blick. Sie erscheinen dabei zugleich als ökonomische Einheiten, normative Ordnungsgefüge und emotionale Erfahrungsräume. Gefragt wird nach dem Zusammenspiel von religiösen Leitvorstellungen, rechtlichen Regelungen und sozialer Praxis, nach der Bedeutung des Haushalts als Produktions- und Lebensgemeinschaft sowie nach Formen von Nähe, Konflikt und Zugehörigkeit. Vor diesem Hintergrund geht es darum, die SeminarteilnehmerInnen für den historischen Wandel von Vorstellungen zu Ehe, Sexualität und Geschlechternormen zu sensibilisieren. Damit verbunden ist schließlich die Einführung in Konzepte der Sozialgeschichte, Geschlechterforschung und Emotionsgeschichte.

Das Seminar richtet sich an Bachelorstudierende und vermittelt durch die Arbeit an Forschungs- und Quellentexten grundlegende Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens. Erwartet werden regelmäßige Vorbereitung, aktive Mitarbeit und die Bereitschaft zur eigenständigen Entwicklung historischer Fragestellungen. In einer das Seminar begleitenden Schreibwerkstatt (siehe Veranstaltungsverzeichnis) werden die im Seminar erarbeiteten Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens (Lesen von Forschungsliteratur und von Quellen, mündliche Präsentationen vorbereiten und halten, Recherchieren und Bibliographieren usw.) praktisch eingeübt.

Vertiefungsseminare

Priv.-Doz. Dr. Tobias Winnerling

Was für Menschen waren die Gelehrten, wer hatte wozu geforscht, was hatten sie geschrieben? Wo hatten sie studiert, wen geheiratet, wer waren ihre Gönner und Gegner, Freunde und Feinde? Über die gesamte Frühe Neuzeit gab das Gelehrtenlexikon die nötigen Auskünfte. Hunderte dieser Werke sind in Aberhunderten von Bänden überliefert. Wie ist diesem Quellenmaterial beizukommen? Was sagt uns die Gattung über die Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit, und wie können uns digitale Methoden dabei helfen, Erkenntnisse daraus zu gewinnen?

Das Seminar ist thematisch mit den Übungen „Biographien vernetzen“ und „Quellen und Distant Reading“ verknüpft, kann aber auch einzeln besucht werden.

Univ.-Prof. Dr. Matthias Bähr

In historischen Gesellschaften existieren grundverschiedene Formen sozialer Ungleichheit: Stand und Klasse, Ehre, Geschlecht, Alter, Vermögen, Ethnizität und race. Im Seminar gehen wir der Frage nach, wie sich Gesellschaften der Frühen Neuzeit entlang solcher Kriterien von modernen Gesellschaften unterschieden und was soziale Ungleichheit und kulturelle Vielfalt damals wie heute bedeuteten. Neben der gemeinsamen Quellenarbeit wird die Bereitschaft zur eigenständigen Lektüre von Forschungsliteratur erwartet.

Projektseminare

Univ.-Prof. Dr. Matthias Bähr

In der Frühen Neuzeit entstand ein intensiver globaler Handel mit menschlichen Überresten wie Mumien, Schädeln und anatomischen Präparaten. Erst seit wenigen Jahren wird dazu intensiver geforscht. Im Seminar arbeiten Sie auf der Grundlage historischer Originalquellen (z.B. APS Library, Burney Newspapers Collection, Times Digital Archive) an eigenen kleinen Forschungsprojekten. Die Ergebnisse werden als gemeinsames digitales Ausstellungsprojekt unter Beachtung forschungsethischer Prinzipien präsentiert und dauerhaft für die Öffentlichkeit verfügbar gemacht.

Masterseminare

Priv.-Doz. Dr. Tobias Winnerling

Was für Menschen waren die Gelehrten, wer hatte wozu geforscht, was hatten sie geschrieben? Wo hatten sie studiert, wen geheiratet, wer waren ihre Gönner und Gegner, Freunde und Feinde? Über die gesamte Frühe Neuzeit gab das Gelehrtenlexikon die nötigen Auskünfte. Hunderte dieser Werke sind in Aberhunderten von Bänden überliefert. Wie ist diesem Quellenmaterial beizukommen? Was sagt uns die Gattung über die Wissens- und Wissenschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit, und wie können uns digitale Methoden dabei helfen, Erkenntnisse daraus zu gewinnen?

Das Seminar ist thematisch mit den Übungen „Biographien vernetzen“ und „Quellen und Distant Reading“ verknüpft, kann aber auch einzeln besucht werden.

Übungen

Laura Seithümmer M.A.

Gemeinsam mit der Einführungsvorlesung in die Geschichte der Neuzeit und der Einführung in die Geschichte Osteuropas bilden die Basisseminare das Basismodul Neuzeit und Osteuropa. In den Basisseminaren werden in 14 Sitzungen die wichtigsten Daten und Strukturen von der Frühen Neuzeit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts sowie zur Geschichte Osteuropas behandelt. Grundlage der jeweiligen Sitzungen sind die zur Anschaffung empfohlene Literatur sowie im Einzelfall Texte, die im ILIAS-Lernraum zum Basismodul Neuzeit & Osteuropa bereitgestellt werden. In den Sitzungen werden Quellen gemeinsam beschrieben, ihre historischen Entstehungskontexte analysiert und die Folgen interpretiert und diskutiert. Die Modulabschlussprüfung findet nach Ende der Vorlesungszeit in Form einer E-Klausur statt. Grundlage der Prüfung sind die angegebene Literatur für die Arbeit im Basisseminar sowie die Skripte zur Vorlesung. Von den Teilnehmenden wird neben der regelmäßigen Teilnahme erwartet, dass sie die entsprechenden Kapitel und Texte für die Basisseminarsitzungen gründlich vorbereiten und sich engagiert an der gemeinsamen Erarbeitung der Inhalte beteiligen. Ziel des Basismoduls ist es, den Studierenden die Erarbeitung eines Grundlagenwissens zu ermöglichen und auf diese Weise unterschiedliche Vorkenntnisse auszugleichen.

Priv.-Doz. Dr. Tobias Winnerling

Netzwerkanalysen sind aus der Soziologie in die Geschichtswissenschaft importiert worden und haben sich dort rasch als sehr nützliches Instrument erwiesen. Allerdings müssen die eigentlich für andere Gegenstände entwickelten Methoden für die historische Arbeit dem historischen Material angepasst werden. In der Übung werden wir mit Material aus dem 18. Jahrhundert arbeiten und es nicht nur für netzwerkanalytische Fragestellungen aufbereiten, sondern auch ausgewählte Fragestellungen damit bearbeiten.

Die Übung ist thematisch mit dem Seminar „Das Leben im Lexikon“ verknüpft, kann aber auch einzeln besucht werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Univ.-Prof. Dr. Matthias Bähr

Natalie Zemon Davies, Carlo Ginzburg, Max Weber und andere: Die Übung vermittelt einen Überblick über die vielleicht wichtigsten Texte historischer Forschung von den Anfängen der professionellen Geschichtswissenschaft bis heute. Durch die Auseinandersetzung mit den Originaltexten erarbeiten wir uns zentrale Ansätze und Forschungsmethoden sowie grundlegende Strömungen wie den Historismus, die Annales-Schule, die Historischen Sozialwissenschaften und die Neue Kulturgeschichte. Gemeinsam gehen wir der Frage nach, welche Fragen Historikerinnen und Historiker damals und heute an die Geschichte richteten – und welche Antworten sie erhielten.

Erwartet wird die regelmäßige aktive Teilnahme an der Übung und die Bereitschaft, die Texte (meistens einzelne Kapitel aus Büchern) vorzubereiten.

Priv.-Doz. Dr. Tobias Winnerling

Mittlerweile sind gedruckte Quellen der Frühen Neuzeit in immer größerem Umfang als Digitalisate im Internet verfügbar. Wie aber mit der Menge an Quellenmaterial sinnvoll umgehen? Um übergreifende Fragestellungen bearbeiten zu können, bietet es sich an, hier mit digitalen Methoden zu Werke zu gehen. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn in der Praxis gibt es einige Hürden und Fallstricke, bevor eine digitale Textanalyse beginnen kann – und dann stellt sich immer noch die Frage, was für eine Analyse es denn sein soll. Die Übung zeigt am Beispiel von Materialien des 18. Jahrhunderts, wie sich benutzbare Fassungen erstellen lassen, welche einfach zugänglichen Methoden und Programme es gibt und wie sich damit erste Distant Reading-Analysen durchführen lassen.

Die Übung ist thematisch mit dem Seminar „Das Leben im Lexikon“ verknüpft, kann aber auch einzeln besucht werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Priv.-Doz. Dr. Teresa Schröder-Stapper

Wie funktioniert wissenschaftliches Schreiben? Wo finde ich Literatur und Quellen und wie gehe ich mit ihnen um? Worauf muss ich im Prozess achten? Antworten auf diese Fragen zu finden ist das Ziel unseres Seminars. Neben wissenschaftlichem Schreiben und Literaturrecherche als Grundpfeiler einer jeden Arbeit, werden wir uns auch mit Lese- und Lernstrategien, verschiedenen Formen von wissenschaftlichen Arbeiten und Zeitmanagement beschäftigen. Dadurch sollen und werden Sie für sich einen ganz individuellen Plan für ihre Arbeitsweise entwickeln und diesen durch praxisnahe Übungen im Seminar anwenden.

Priv.-Doz. Dr. Sebastian Hansen

Die mannigfaltigen Beziehungen von Geschichte, Geschichtsschreibung und Literatur werden bis heute kontrovers diskutiert. Neben der Frage nach dem Verhältnis von geschichtlicher Wirklichkeit und fiktionalen Texten steht der Modus der Darstellung sowohl der Geschichtsschreibung als auch der Literatur im Fokus der Betrachtung.

Mit der Geschichtslyrik widmet sich das Seminar einer Gattung, die im Gegensatz zum historischen Roman und Geschichtsdrama bis zur Publikation des von Walter Hinck herausgegebenen Bandes Geschichte im Gedicht im Jahr 1979 ein Nischendasein in der Germanistik führte. Aus literatur- und geschichtswissenschaftlicher Perspektive werden die ganz eigenen Formen und Verfahren der Lyrik in den Blick genommen, Geschichte darzustellen und zu vermitteln. Am Beispiel der Geschichtslyrik wird erörtert, was ‚Geschichte‘ ist, wie das Verhältnis von res factae und res fictae im Gedicht zum Ausdruck kommt und welche spezifischen Darstellungsmöglichkeiten die Lyrik im Vergleich mit der Geschichtsschreibung hat, Geschichte zu ‚erzählen‘, zu reflektieren und so zum Erinnerungsdiskurs beizutragen. Im Zentrum stehen Gedichte von Marcel Beyer, Daniela Danz und Ulf Stolterfoht sowie deren eigens für das Seminar verfassten Reflexionen zur Bedeutung der Geschichte für ihr lyrisches Werk. Seinen Abschluss findet das Seminar am 13. Juli 2026 in einer Lyriklounge mit den drei Autor:innen im KAP1.

Das Seminar findet in Kooperation mit Dr. Katharina Schwarz (Germanistik) und dem Literarischen Colloquium Berlin (LCB) statt. Die Sitzungen finden regulär als Doppelsitzungen statt.

Kolloquien