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Forschung

Laufende Qualifikationsarbeiten

Habilitationsprojekte

Dr. Jan-Markus Kötter

Habilitationsprojekt

Eine systematische Untersuchung des aristokratischen Wettbewerbs der ausgehenden mittleren römischen Republik liegt derzeit nicht vor. Dies ist umso bemerkenswerter, als gerade die 140er und 130er Jahre v. Chr. einen instruktiven Horizont für die Erklärung von Phänomenen bieten, die ab dem Epochenjahr 133 zu einer dynamischen Schwächung des politischen Systems in Rom führten. Es drängt sich die Frage auf, ob und inwieweit sich diese Phänomene bereits in die Zeit der angeblich stabileren mittleren Republik zurückverfolgen lassen. Damit zusammen hängt auch die weiterhin aktuelle Frage nach der Konzeptualisierung der mittleren Republik innerhalb der republikanischen Großepoche – gerade im Sinne einer „politischen Kultur“ sowie der relativen Lagerung konsensorientierter und konfrontativer Handlungsschemata römischer Aristokraten.

Diesem Fragenkomplex nähert sich das Projekt mit der Analyse des aristokratischen Wettbewerbs in der ausgehenden mittleren Republik. Es soll zu einer systematischen Klärung dessen kommen, was in der politischen Konkurrenz der Zeit denkbar war, und was hiervon auf welcher Grundlage auch tatsächlich durchsetzbar. Damit trägt das Projekt zum tieferen Verständnis vom Übergang der mittleren auf die späte Republik bei und zeigt mögliche Kontinuitäten und Brüche. Im Zentrum steht mit Scipio Aemilianus ein Akteur, dessen politischer Erfolg in den 140/30er Jahren auf Abkürzungen gängiger Karrieremuster beruhte, der aber nichtsdestotrotz nicht a priori als Ausnahmefall gesehen werden darf. Anhand seines Karriereweges sollen die skizzierten Fragen beleuchtet werden, wobei freilich darauf zu achten ist, die individuelle Betrachtungsebene eng mit strukturellen Deutungsebenen zu verschränken, in ein klares theoretisches Raster einzupassen und unter Berücksichtigung der gesamten interaktionalen Breite aristokratischer Wechselbeziehungen zu analysieren.

Mittels einer detaillierten Einzelstudie soll die Republikforschung also an einem chronologisch bedeutsamen Punkt ergänzt und zugleich Impulse für die weitergehende Diskussion über den Beginn der Desintegration des politischen Systems in der späten Republik gegeben werden. So wirft das Projekt einen Blick auf die Frühphase popularer Politik, ohne für das Jahr 133 einen abrupten Bruch hinsichtlich politischer Aktionsmodi zu konstatieren. In einer Betonung der Bedeutung mobilisierender Krisen für das Aufbrechen stark nivellierter Wettbewerbschancen im „Normalbetrieb“ römischer Politik kann darüber hinaus ein Erklärungsansatz für die zunehmende tribunizische Gewalt und für das vermehrte Aufkommen überragender aristokratischer Einzelpersonen in der späten Republik liegen.

Dissertationsprojekte

Stephan Baum

Dissertationsprojekt 

Das Projekt befasst sich mit dem fragmentarisch überlieferten Geschichtswerk des Eunapios von Sardes, der sogenannten Ἱστορία ἡ μετὰ Δέξιππον. Anschließend an die Chronik von Dexipp, verfasste der spätantike Philosoph um 414 n. Chr. seine Historien, die vom Tod des Claudius Gothicus bis in die Regierungszeit der Kaiser Honorius und Arcadius reichen (also ca. 270 bis 404 n. Chr.).

Da Eunapios der kurzen Regierungszeit von Kaiser Julian (360 bis 363 n. Chr.) innerhalb seiner Historien ein eigenes Buch widmet und ihn in den vorhandenen Proömien zweier Bücher als herausragende Persönlichkeit des vierten Jahrhunderts vorstellt, kann davon ausgegangen werden, dass der als Ἀποστάτης in die Geschichte eingegangene Kaiser eine zentrale Rolle in den Historien einnimmt. Selbst ein Anhänger der althergebrachten Religion, lässt sich Eunapios in der Reihe der spätantiken, paganen Geschichtsschreiber wie Ammianus Marcellinus oder Eutropius verorten, die den Vorrang Julians gegenüber der konstantinischen Dynastie innerhalb ihrer Werke ebenfalls unterstreichen. Im Gegensatz zu den lateinischen Geschichtsschreibern dieser ‚paganen Reaktion‘ verfasste Eunapios seine Historien jedoch nicht nur auf Griechisch, sondern hatte – abgesehen von Selbstzeugnissen Julians oder kleineren Beiträgen wie dem verlorenen Memorandum des Magnus von Karrhai – auch keine unmittelbare griechischsprachige Vorlage für sein Geschichtswerk. Aufgrund dieser „Lacuna“ in der griechischen Historiographie ist es wahrscheinlich, dass Eunapios die lateinischen Annales des Nicomachus Flavianus oder in dessen Nachfolge die von François Paschoud vorgeschlagene anonyme Historia adversus Christianos als Vorlage nutzte.

Von zentraler Bedeutung für Eunapios’ Historien ist auch der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung, da – nur wenige Jahre zuvor – die Urbs aeterna von den Westgoten um Alarich zum ersten Mal seit über 800 Jahren geplündert worden war und sich die (stadt)römische Öffentlichkeit seitdem auf die Suche nach den Ursachen für den Fall Roms begeben hatte. Eunapios fand die Gründe dafür in der Integration barbarischer Völkerschaften und in der zunehmenden Ohnmacht schwacher römischer Kaiser, die immer öfter unter der Vormundschaft eines christlich dekadenten Hofstaats standen. Auch wenn der pagane Philosoph das Christentum in seinen Historien nicht unmittelbar ablehnt, sondern ausschließlich die moralische Devianz seiner Akteure – unter denen sich nicht nur Christen befinden – bemängelt, wurde sein Beitrag in späterer Zeit als universelle Kritik am Christentum aufgefasst. Nicht anders ist zu erklären, dass es in Bezug auf die anonyme Historia adversus Christianos und Eunapios’ Historien in der Folgezeit wiederum zu christlichen Gegenreaktionen kam, sei es durch Geschichtswerke wie Orosius’ Historiae adversus Paganos, Augustinus’ Schrift De civitate Dei oder die orthodoxen Beiträge zur Kirchengeschichte von Sozomenos, Sokrates Scholastikos oder Theodoret, aber auch durch Philostorgios’ homöische Kirchengeschichte.

Das Ziel des Dissertationsvorhabens ist demnach die kritische Edition des Geschichtswerks inklusive einer ersten deutschsprachigen Übersetzung. Darüber hinaus soll ein ausführlicher Kommentar angefügt werden, der die Fragmente durch weiterführende Informationen in das historische und historiographische Umfeld von Eunapios’ Historien einordnet.

Hans Michael Schellenberg

Dissertationsprojekt

In der Forschung existiert seit mindestens 170 Jahren ein Textkorpus, deren Autoren üblicherweise in der Forschung als Militärschriftsteller bezeichnet werden. Gegenstand dieses Korpus sind Werke – in griechischer und lateinischer Sprache aus der gesamten Antike – die Anweisungen zur Kriegsführung allgemein oder deren Teilbereichen geben. Eine Begründung für die Existenz dieses Korpus und der Zuordnung einzelner Werke zu ihm durch die Forschung, war und ist gegenwärtig nicht vorhanden. Gleichermaßen fehlt zur Überprüfung der Zugehörigkeit der einzelnen Autoren zu ihm, eine gesicherte Sammlung der noch vorhandenen Testimonien der vollständig erhaltenen Werke und der Testimonien und Fragmente der unvollständig erhaltenen Werke.

Ziel dieser Arbeit ist: Die Erstellung eines Katalogs aller Testimonien und Fragmente der erhaltenen  antiken Militärschriftsteller und anhand des gewonnenen Katalogs, die Erarbeitung eines Minimalvorschlags für eine mögliche zukünftige Ausgestaltung beziehungsweise Aufspaltung oder auch Auflösung dieses Textkorpus.

Felix Wunder

Dissertationsprojekt

Das Projekt verfolgt das Ziel, die kommunikative Funktionalität von Akten kaiserlicher Freigiebigkeit in der Zeit von Septimius Severus bis Diocletian (193–305 n. Chr.) zu ergründen. Damit wird die entscheidende Transformationsphase des römischen Imperiums zwischen Prinzipat und Spätantike in den Blick genommen, die durch enorme innen- und außenpolitische Herausforderungen gekennzeichnet ist. Die Analyse ritualisierter Inszenierungen kaiserlicher liberalitas beleuchtet die Bestrebungen der Kaiser, durch die Schaffung von Bindungsverhältnissen politische Stabilität zu gewährleisten und bietet somit einen methodischen Zugang zur Rekonstruktion von loyalitätsstiftenden, herrschaftsstabilisierenden und -legitimierenden Strategien. Speziell die Münz- und Medaillonprägung ist mit ihrer konkurrenzlos dichten Überlieferung gerade angesichts der lückenhaften literarischen Quellenlage prädestiniert für eine systematische und methodisch stringente Auswertung der greifbaren liberalitas-Inszenierungen. Münzen und Medaillons waren zudem unmittelbar in die entsprechenden Akte eingebunden und fungierten hierbei einerseits als Zahlungsmittel und anderseits als Medium der Herrschaftsrepräsentation. Als empirische Grundlage des Projekts soll deshalb ein maßgeblich vom numismatischen Material ausgehender Katalog der Inszenierungen kaiserlicher liberalitas erstellt werden, der eine serielle Detailanalyse des Phänomens ermöglicht.

Verantwortlichkeit: